Kennst du das auch?
Manchmal fühlt sich das Leben einfach ungerecht an. Du gibst dein Bestes, arbeitest hart, bist für andere da – und trotzdem passieren Dinge, die dich aus der Bahn werfen. Vielleicht verlierst du deinen Job, eine Beziehung geht in die Brüche oder du erlebst persönliche Rückschläge. In solchen Momenten fragen wir uns oft: „Warum passiert das immer mir?“
Diese Frage kenne ich nur zu gut. Gerade in meinen schwierigsten Momenten habe ich mich darin verloren. Doch heute weiß ich: Genau hier liegt eine große Chance. Denn der Umgang mit diesen Herausforderungen liegt in unserer Hand.
Wenn das Leben ungerecht erscheint
Gerechtigkeit ist subjektiv. Während das Rechtssystem klare Regeln hat (z. B. Gesetze, Gleichbehandlung), ist unser persönliches Empfinden von Gerechtigkeit viel emotionaler. Wir wünschen uns, dass gute Taten belohnt und schlechte bestraft werden. Dass Fleiß und Anstrengung sich auszahlen. Dass, wenn wir alles „richtig“ machen, auch das Richtige passiert. Doch die Realität sieht oft anders aus:
- Gefühlte Ungerechtigkeit entsteht, wenn unsere Erwartungen enttäuscht werden. Wir haben hart gearbeitet – und trotzdem wurde jemand anderes befördert. Wir waren loyal – und wurden trotzdem verlassen.
- Objektive Gerechtigkeit folgt keiner festen Regel. Das Leben ist nicht fair, es ist einfach nur … das Leben. Die Welt schuldet uns nichts, egal wie sehr wir uns bemühen.
Und genau hier liegt der Knackpunkt: Unser inneres Gerechtigkeitsgefühl kollidiert oft mit der Realität. Und genau das kann uns in eine Falle führen.
Warum passiert das immer mir?
Wenn uns immer wieder Rückschläge treffen, suchen wir nach Erklärungen. Doch die gibt es eben nicht. Unser Gehirn neigt dazu, negative Erlebnisse stärker zu speichern als positive. Das führt zu Denkmustern, die uns in einer Opferhaltung festhalten können:
- Selektiver Fokus (bestimmte Informationen werden wahrgenommen, andere ausgeblendet): Nach einem schlechten Tag sehen wir überall „Beweise“, dass das Leben ungerecht ist. Ein Kollege bekommt Lob für eine Idee, die wir hatten. Das Auto hat eine Panne. Dann regnet es auch noch. Unser Gehirn sucht nach Bestätigung – und findet sie.
- Die Opferrolle: Wenn du oft das Gefühl hast, vom Leben benachteiligt zu werden, kann es sein, dass du unbewusst in eine Opferhaltung gerätst. Das bedeutet nicht, dass deine Gefühle nicht berechtigt sind – aber wenn du nur noch erwartest, dass Schlechtes passiert, wird genau das deine Wahrnehmung bestimmen. In der Opferrolle neigen wir dazu, äußere Umstände für unser Unglück verantwortlich zu machen, anstatt nach Wegen zu suchen, wie wir selbst Einfluss nehmen können. Der erste Schritt heraus ist, sich bewusst zu machen, dass wir nicht nur Zuschauer in unserem eigenen Leben sind, sondern aktiv mitgestalten können.
- Systemische Muster: Systemische Muster sind wiederkehrende Verhaltens- und Denkmuster, die wir oft unbewusst aus unserer Familie, aus dem direkten Umfeld oder unserer Gesellschaft übernommen haben. Sie entstehen durch früh erlernte Überzeugungen, Regeln und Dynamiken, die uns geprägt haben. Vielleicht hast du früh gelernt, dass das Leben ein harter Kampf ist. Dass du dich besonders anstrengen musst. Dass Glück etwas für andere ist. Diese tiefen Glaubenssätze beeinflussen, wie du dein Leben wahrnimmst – und ob du dich als „Spielball des Schicksals“ siehst oder als jemand, der selbst Einfluss nehmen kann. Systemische Muster beeinflussen unsere Entscheidungen, unser Selbstbild und unsere Erwartungen ans Leben. Sie können uns stärken, aber auch einschränken.
Was kannst du nun tun?
1. Hinterfrage deine Wahrnehmung
Statt automatisch zu denken: „Warum passiert das immer mir?“, probiere eine andere Perspektive aus. Ein Reframing (Umdeutung) kann helfen:
„Ich schaffe das nie.“ -> „Es wird herausfordernd und ich kann es lernen.“
„Das Leben ist ungerecht.“ -> „Das Leben folgt nicht immer meinen Erwartungen und ich kann lernen, damit umzugehen.“
„Warum passiert das immer mir?“ -> „Diese Situation ist schwierig und vielleicht steckt eine wertvolle Lektion für mich darin.“
Ein persönliches Beispiel: Im Jahr 2013 wurde in der Firma, in der ich damals angestellt war, eine Umstrukturierung durchgeführt – viele Menschen verloren ihren Job, darunter auch ich. Ich kann mich noch gut an meinen Frust erinnern, diese gut bezahlte Stelle zu verlieren. Doch schon bald merkte ich, dass ich total eingefahren war, der Job mir schon lange keinen Spaß mehr machte und ich innerlich bereits gekündigt hatte. Plötzlich erkannte ich die Chance, die sich mir bot, und nutzte sie für eine Weiterbildung, die mir neue Perspektiven eröffnete.
Hätte ich den Absprung je geschafft, wenn mich die Umstände nicht dazu gezwungen hätten? Manchmal brauchen wir einen Schubs von außen, um die Richtung zu wechseln – auch wenn es sich im ersten Moment nicht fair anfühlt.
2. Durchbrich deine Muster
Viele unserer Gedanken laufen automatisch ab, oft ohne dass wir sie bewusst hinterfragen. Doch nur weil du einen Gedanken hast, bedeutet das nicht, dass er wahr ist. Unser Verstand neigt dazu, Annahmen zu treffen, Muster zu erkennen und Situationen zu interpretieren – aber diese Interpretationen sind nicht immer objektiv.
Wenn du zum Beispiel denkst: „Ich habe immer Pech“, dann ist das nicht unbedingt eine Tatsache, sondern eine selektive Wahrnehmung. Vielleicht gab es auch viele Momente, in denen es gut für dich lief – doch dein Gehirn fokussiert sich stärker auf die negativen Erlebnisse.
Um diese Muster zu durchbrechen, kannst du dir bei negativen Gedanken folgende Fragen stellen:
- Ist das wirklich wahr oder nur eine Annahme?
- Gibt es Beweise für das Gegenteil?
- Wie würde jemand anderes diese Situation sehen?
Der Schlüssel liegt darin, dir bewusst zu machen, dass deine Gedanken nicht die ultimative Wahrheit sind. Sie sind nur eine Sichtweise – und diese kannst du aktiv verändern.
Verändere deine Gedanken – und du veränderst deine Realität.
3. Verändere deinen Fokus
Dein Gehirn speichert Negatives besser als Positives. Studien zeigen, dass wir fünf positive Erfahrungen brauchen, um eine negative zu verarbeiten. Also hilf deinem Gehirn auf die Sprünge! Schreibe dir täglich mindestens drei Dinge auf, die gut gelaufen sind – egal wie klein sie erscheinen. Dadurch trainierst du dein Gehirn, Gerechtigkeit nicht nur in negativen, sondern auch in positiven Momenten zu sehen.
4. Achte auf deine Sprache
Die Art, wie du mit dir selbst sprichst, prägt deine Realität. Statt „Warum immer ich?“ könntest du fragen:
- „Was kann ich tun, um das Beste aus dieser Situation zu machen?“
- „Wie kann ich mich selbst stärken?“
5. Sei ehrlich zu dir selbst
Manchmal gibt es Muster, die wir unbewusst selbst aufrechterhalten. Es lohnt sich, hinzuschauen:
- „Trage ich vielleicht unbewusst zu meinen Problemen bei?“
- „Habe ich unbewusst Angst vor Veränderung?“
6. Sieh das große Ganze
Ich kenne diese Gedanken nur zu gut. Ich habe mich oft gefragt, warum gerade mir immer wieder Schicksalsschläge passieren mussten. Warum ich kämpfen musste, während andere scheinbar ihr Leben genießen konnten (was auch viel mit Social Media zu tun hat – siehe meinen Artikel „Neid in Zeiten von Social Media“). Doch nach einer Operation, bei der ich fast gestorben wäre, wurde mir bewusst: Das Leben schuldet mir nichts.
Es liegt an mir, was ich aus meinen Erlebnissen mache. Ich kann mich als Opfer der Umstände sehen – oder ich kann entscheiden, daran zu wachsen.
Fazit:
Das Leben ist nicht immer fair. Aber wir selbst haben die Wahl: Lassen wir uns von scheinbaren Ungerechtigkeiten lähmen oder nutzen wir sie als Wachstumsmöglichkeit? Die wichtigste Frage ist also nicht „Warum immer ich?“, sondern „Was mache ich jetzt daraus?“.
Es ist leicht, in der Opferrolle stecken zu bleiben und sich vom Leben ungerecht behandelt zu fühlen. Doch langfristig hilft es uns mehr, wenn wir Verantwortung für unsere Gedanken und Reaktionen übernehmen. Indem wir unsere Denkmuster bewusst verändern, lernen wir, Krisen als Chancen zu sehen und mit mehr Leichtigkeit durchs Leben zu gehen.
Was sind deine Erfahrungen mit gefühlter Ungerechtigkeit? Wie gehst du damit um? Ich freue mich auf deinen Kommentar!
Herzlichst, Jana

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