Warum gute Vorsätze oft scheitern – und wie du es besser machen kannst

Kennst du das auch? Silvester. Du stehst mit einem Sektglas in der Hand, vielleicht ein bisschen sentimental (oder leicht angeduselt), schaust aufs vergangene Jahr zurück und denkst: „So. Nächstes Jahr wird alles anders. Ich werde fitter, entspannter, achtsamer, gesünder, organisierter, disziplinierter. Und am besten alles gleichzeitig.“

Und dann?

Zwei Wochen später sitzt du mit einer Tafel Schokolade auf dem Sofa, schaust Netflix statt zum Sport zu gehen und fragst dich: „Warum klappt das bei mir nie?“

Ich geb’s zu – auch ich bin schon oft gescheitert. Und jedes Mal hatte ich dieses schlechte Gewissen. Dieses Gefühl von: „Schon wieder nicht geschafft.“ Aber weißt du was? Genau da liegt der Fehler. Nicht bei uns – sondern in der Art, wie wir uns diese Ziele setzen.

Warum wir an guten Vorsätzen oft scheitern

1. Wir wollen zu viel, zu schnell

Ab dem 1. Januar soll plötzlich alles anders werden: Kein Zucker, jeden Tag Sport, um 6 Uhr aufstehen, meditieren, drei Liter Wasser trinken, dabei noch ein Dankbarkeits-Tagebuch schreiben und das Handy nur noch 5 Minuten am Tag benutzen.

Allein beim Gedanken daran bekomme ich Puls. Und mein innerer Schweinehund ruft aus dem Nebenzimmer: „Sag mal, gehts noch?!“

Unser Gehirn liebt Routinen – und hasst Überforderung. Wenn wir versuchen, alles gleichzeitig umzubauen, bricht das System zusammen wie ein schlecht gebauter Ikea-Schrank.

2. Wir starten aus dem Mangel – nicht aus der Freude

Ganz ehrlich: Wie oft fassen wir Vorsätze, weil wir mit uns unzufrieden sind? „Ich bin zu dick.“ „Ich bin zu unorganisiert.“ „Ich muss mich mehr zusammenreißen.“ „Ich bin nicht sportlich genug.“

Aber das ist keine liebevolle Motivation – das ist innere Selbstkritik.

Die Wahrheit ist: Wenn wir Dinge nur aus Pflicht tun, hält das nicht lange vor. Was uns langfristig trägt, ist Freude. Echtes Interesse. Lust auf Veränderung – nicht der Wunsch, „besser“ zu werden, weil wir uns gerade nicht genügen.

3. Unsere Ziele sind zu unkonkret

„Ich will mehr Sport machen.“ Klingt super – aber was bedeutet das genau? Wann? Wie oft? Was für eine Art von Bewegung? Joggen? Tanzen? Trampolinspringen im Wohnzimmer? (Hab ich ausprobiert: macht Spaß, aber Vorsicht mit den Lampen!)

Ohne konkreten Plan bleibt es eine schöne Idee. Aber schöne Ideen haben leider keine Turnschuhe an und unser innerer Schweinehund kann viel leichter dazwischenfunken.

4. Wir vergessen, dass das Leben auch noch mitredet

Was am Neujahrsmorgen voller Tatendrang beginnt, kollidiert spätestens in Woche zwei mit Stress im Job, Familienpflichten oder der Grippewelle. Das Leben ist nicht planbar. Und das ist okay! Nur weil du einmal nicht zum Sport gehst oder dir ein Stück Schokolade gönnst, ist nicht alles verloren. Es ist ein Prozess, kein Sprint.

Veränderung braucht Raum und Zeit. Und Verständnis. Vor allem mit uns selbst.

Was hilft stattdessen?

Weniger vornehmen – und klein anfangen

Starte mit einem Vorsatz, nicht zehn. Und dann: Schau, wie du dich damit fühlst. Vielleicht heißt dein Vorsatz nicht „mehr Sport“, sondern „Ich gehe montags und freitags 20 Minuten spazieren.“ Das klingt machbar, oder? Und Erfolg motiviert mehr als Druck.

Such dir etwas, dass dir wirklich Spaß macht

Nur, weil alle ins Fitnessstudio rennen, heißt das nicht, dass du das auch musst. Vielleicht liebst du Yoga, Zumba, Schwimmen. Oder Spaziergänge mit Podcasts. Oder eben Trampolinspringen (hatte ich schon erwähnt, dass mir das Spaß macht?). Oder tanzen in der Küche. Wenn du Freude empfindest, brauchst du keine Disziplin – du wirst es einfach tun, weil es dir gut tut.

Feiere deine kleinen Erfolge

Nicht erst, wenn du 10 Kilo abgenommen hast oder einen Halbmarathon geschafft hast. Sondern schon, wenn du dich nach einem langen Tag trotzdem bewegt hast. Jeder kleine Schritt zählt.

Und gang wichtig: verzeih dir Rückschläge

Du hast einen Tag ausgelassen? Eine Tüte Chips statt Quinoa gegessen? Na und? Du bist ein Mensch, keine Maschine. Und Menschen brauchen Nachsicht – vor allem mit sich selbst.

Eine kleine persönliche Wahrheit:

Ich hab mir mal vorgenommen, jeden Tag Yoga zu machen. Ich hielt das genau… drei Tage durch. Danach hab ich mich geärgert, mich schuldig gefühlt – und das Ganze dann gleich wieder ganz gelassen.

Heute weiß ich: Das war nicht, weil ich „zu schwach“ war. Es war, weil es nicht in mein Leben gepasst hat. Und weil ich’s gemacht habe, um etwas „wegzumachen“, nicht um mir etwas Gutes zu tun.

Inzwischen bewege ich mich, wenn ich Lust drauf habe – und siehe da: ich bleibe eher dran. Nicht, weil ich muss. Sondern weil ich will. Trampolinspringen ist übrigens für so ziemlich alles gut (sogar gegen schlechte Laune – vor allem, wenn dazu die Lieblingsmusik läuft)…

Mini-Übungen und Reflexionsfragen für deinen Neustart (auch mitten im Jahr)

Manchmal hilft ein bisschen Struktur, um ins Tun zu kommen – und sich dabei selbst besser kennenzulernen. Hier sind ein paar liebevolle Impulse:

1. Deine Mini-Freude-Liste

Setz dich mit einer Tasse Tee hin und frag dich:

  • Welche Bewegung macht mir wirklich Spaß?
  • Welche gesunden Lebensmittel mag ich eigentlich total – habe sie aber irgendwie vergessen?
  • Was hat mir als Kind Freude gemacht?

Schreib dir 3-5 Dinge auf, die du diese Woche ausprobieren möchtest – wie gesagt: nicht, weil du musst, sondern weil du willst.

2. Deine kleine Warum-Frage

Statt dich zu fragen: „Wie halte ich das bloß durch?“, frag dich mal:

  • Warum möchte ich das überhaupt?
  • Was würde sich in meinem Leben verbessern, wenn ich damit starte – ganz in meinem Tempo?

Ein echtes, inneres Warum wirkt stärker als jedes „ich muss“. Es erinnert dich an das Gefühl hinter jedem Wunsch.

3. Deine Realitätscheck-Routine

Plane nicht für dein ideales Leben – plane für dein echtes. Frag dich:

  • Wie viel Zeit und Energie habe ich wirklich zur Verfügung?
  • Was wäre eine Mini-Version meines Ziels, die in mein Leben passt?

Zum Beispiel: Statt 60 Minuten Sport -> 15 Minuten Bewegung (alles, was Freude macht). Statt komplexer Ernährungsumstellung -> ein neues, gesundes Lieblingsgericht pro Woche.

4. Deine liebevolle Rückblick-Frage

Wenn mal was nicht klappt (und das wird passieren – weil: Mensch), stell dir abends die Frage:

  • Was war heute trotzdem gut? Vielleicht hattest du heute gute Laune, hast gelacht. Jemandem geholfen. Oder bist einfach aufgestanden, obwohl du keine Lust hattest. Das zählt. Immer.

Fazit: Lass den Druck los – und starte mit Liebe

Gute Vorsätze müssen keine Quälerei sein. Sie dürfen leicht sein. Spielerisch. Und sie dürfen scheitern – und dann neu starten.

Du bist kein Projekt. Du bist ein Mensch. Und du verdienst es, dich gut zu fühlen – egal ob am 1. Januar oder an einem ganz normalen Montag im April.

Wenn du dir eine Sache von diesem Blog mitnimmst, dann hoffentlich das: Du darfst mit Liebe statt mit Druck wachsen. In deinem Tempo. Mit einem Lächeln im Gesicht – und vielleicht auch mal mit Schoki in der Hand.

Ich bin stolz auf dich – einfach weil du gerade hier liest. Und wenn du magst, erzähl mir gern:

Womit möchtest du dir dieses Jahr noch etwas Gutes tun?

Ich bin gespannt auf deine Gedanken und freue mich, wenn du sie in den Kommentaren mit mir teilst.

Herzlichst, Jana (die sich inzwischen nicht mehr schämt, wenn das Trampolin ein wenig einstaubt, sondern einfach dankbar ist, dass es auf sie wartet)

Eine Antwort zu „Warum gute Vorsätze oft scheitern – und wie du es besser machen kannst“

  1. Sehr gut und extrem umfangreich geschrieben👍

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