Entscheidungen treffen – zwischen Erbeermarmelade und Lebensfragen

Kennst du das auch? Du stehst im Supermarkt – nichts Großes, nur ein kurzer Abstecher für ein Glas Erdbeermarmelade. Und dann… stehst du vor einem Regal, das sich über mehrere Meter erstreckt. Bio oder konventionell? Mit Stücken oder ohne? Regional oder von der bekannten Marke? Zuckergehalt? Preis? Verpackung? Irgendwann fragst du dich: Kann ich nicht einfach nur ein verdammtes Glas Marmelade kaufen, ohne eine Doktorarbeit daraus zu machen?

Mir ging es jedenfalls schon so. Nicht ganz so krass, aber immerhin eine Auswahl zwischen 13 Sorten (alle versprachen Erdbeere in ihrer besten Form). Ich stand vor dem Regal wie bei einer Castingshow für Aufstriche, innerlich zerrissen zwischen Konfitüre Deluxe und Erbeertraum Light.

Dieses Szenario beschreibt ziemlich gut, was viele von uns im Großen erleben: Die Schwierigkeit, Entscheidungen zu treffen. Und je wichtiger die Entscheidung ist, desto lähmender kann dieses Gefühl werden.

Mich hat das jedenfalls zum Nachdenken gebracht. Denn wenn schon das mit der Marmelade so schwierig ist, wie um Himmels willen sollen wir dann im Job, in Beziehungen oder bei anderen großen Lebensfragen klar entscheiden?

Die Qual der Wahl – früher vs. heute

Nie zuvor hatten wir so viele Möglichkeiten. Das ist ein Geschenk – aber auch eine riesige Herausforderung. Aber je mehr Möglichkeiten wir haben, desto größer wird auch:

  • die Angst, etwas zu verpassen (FOMO – Fear of missing out)
  • der Druck, die beste Entscheidung treffen zu müssen
  • die Sorge, im Nachhinein zu bereuen

Früher hattest du drei Sorten Marmelade, drei Fernsehprogramme und die Berufswahl war auch überschaubar. Heute gibt es unendliche Möglichkeiten. Und genau da beginnt das Dilemma.

Wir leben in einer Zeit, in der wir – theoretisch jedenfalls – alles sein können: Yogalehrerin mit Online-Coaching-Business und eigener Hühnerfarm in Portugal – oder doch Projektmanager mit Hund in Hamburg?

Wir wischen, scrollen, vergleichen – und treffen… keine Entscheidung. Oder nur halbherzige. Weil wir denken, dass irgendwo da draußen vielleicht noch eine bessere Option wartet.

Früher hat man gegessen, was auf den Tisch kam. Heute analysieren wir Makronährstoffe, Lieferketten und Tierwohl-Siegel (nicht das das jetzt schlecht wäre). Früher hat man den Beruf gemacht, der sich ergeben hat. Heute soll es der eine erfüllende Job sein, der Karriere, Sinn, Work-Life-Balance und ein bisschen Abenteuer in sich vereint. Kein Wunder also, dass unser innerer Entscheidungskompass manchmal Amok läuft.

Die Sache mit den großen Entscheidungen

Bei Lebensentscheidungen ist das natürlich noch eine Nummer größer. Soll ich mich trennen oder bleiben? Den Job kündigen oder doch erstmal durchhalten? Umziehen in die Stadt oder weiter bei den Eltern auf dem Dorf wohnen? Selbstständig machen oder weiter angestellt bleiben?

Je mehr wir abwägen, desto mehr Möglichkeiten sehen wir – und desto mehr potenzielle „Fehlentscheidungen“ lauern. Aber: Es gibt selten nur den einen richtigen Weg. Und keine Entscheidung zu treffen bedeutet gleichzeitig, dass alle Türen für immer verschlossen bleiben.

Ein besonders heißes Pflaster für Entscheidungsmüdigkeit: der berufliche Neustart. Du überlegst dich zu bewerben – und schon setzt der innere Wahnsinn ein: Was, wenn ich den neuen Job/die neuen Kollegen nicht mag? Was, wenn ich dann doch kündigen muss? Was, wenn ich dann arbeitslos bin?

Dabei vergessen wir oft: Eine Bewerbung ist noch keine Entscheidung. Ein Vorstellungsgespräch ist kein Schwur auf Lebenszeit.

Du darfst hingehen, dir alles anschauen, mit den Menschen sprechen – und danach immer noch „nein“ sagen. Oder „Vielleicht“. Oder „Danke, aber ich bleibe lieber bei meinem Schreibtischstuhl mit Sitzkerbe.“

Entscheidungen, besonders im Beruf, dürfen wachsen. Manchmal braucht es mehr als einen Gedanken – manchmal einen Blick in den Pausenraum. Und das ist okay.

Jedes Ja ist auch ein Nein

Jede Entscheidung für etwas bedeutet gleichzeitig ein Nein zu allem anderen. Und das tut weh – oder macht zumindest ein bisschen nervös. Denn was, wenn die andere Marmelade besser gewesen wäre? Oder der andere Job? Oder der andere Partner?

Aber weißt du was? Das gehört zum Leben dazu. Entscheidungen sind wie Weggabelungen. Man weiß nie genau, was hinter der Kurve liegt. Aber erst wenn wir uns für eine Richtung entscheiden, kommen wir überhaupt in Bewegung.

Back to the roots – und zurück zum Vertrauen

Vielleicht brauchen wir heute einfach mal wieder weniger Optionen – und wieder mehr Vertrauen. Vertrauen in uns selbst, in unsere Intuition, in unsere Fähigkeit, aus dem, was wir wählen, etwas Gutes zu machen.

Ich selbst habe mich schon oft verzettelt. Mich gefragt, ob ich lieber A oder B oder vielleicht doch C machen sollte. Und manchmal habe ich mich einfach nicht entschieden – was im Grunde auch eine Entscheidung ist (nur eben die, nichts zu tun). Rückblickend waren nicht immer alle Entscheidungen „perfekt“ – aber sie waren meine. Und jede hat mich ein Stück weitergebracht.

Viele von uns sind echte Meister*innen im „Zerdenken“. Wir machen Listen, rechnen Szenarien durch, fragen Freunde und landen dann trotzdem bei „Ich weiß nicht.“

Deshalb hier ein kleiner, aber wichtiger Reminder: Gedanken sind keine Fakten. Dein Kopf erzählt dir Geschichten, dein Bauch kennt manchmal die Wahrheit. Oder gibt dir zumindest einen guten Hinweis. Und ja, du darfst auch mal danebenliegen – das macht dich nicht weniger wertvoll, sondern nur… menschlich.

Fünf kleine Gedanken, die helfen können:

  1. Perfektion ist ein Mythos: Es gibt nicht die richtige Entscheidung. Nur die, die heute am besten zu dir passt.
  2. Testen ist erlaubt: Ein Bewerbungsgespräch ist keine Zusage. Eine Probefahrt ist kein Autokauf. Ein Date ist kein Heiratsantrag.
  3. Hadere nicht mit deinen Entscheidungen. Fehlentscheidungen sind wertvoll: Sie zeigen dir, was du nicht willst – und bringen dich dadurch oft näher an das, was du wirklich brauchst.
  4. Entscheiden heißt auch loslassen: Du musst nicht jede Option festhalten. Du darfst wählen und die restlichen Möglichkeiten ziehen lassen.
  5. Vertraue dir: Selbst wenn du mal falsch abbiegst: Du bist immer noch du. Und du darfst umdrehen.

Fazit: Ob Marmelade oder Jobwechsel – Entscheidungen sind manchmal doof. Und manchmal schön. Und manchmal beides gleichzeitig. Aber sie gehören zum Leben. Und das Beste: Du darfst lernen, ihnen mit Neugier statt Angst zu begegnen.

Und wenn du das nächste Mal wieder zwischen 13 Erdbeermarmeladensorten stehst – dann nimm einfach die mit dem schönsten Etikett. Oder gar keine. Vielleicht ist es sowieso Zeit für Honig.

Herzlichst, humorvoll und mit Marmeladengrüßen,

Jana

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