Warum Beziehungsdiskussionen oft wie Tischtennis klingen – und wie wir wieder gemeinsam spielen
Kennst du das auch? Du kommst nach Hause, erschöpft vom Tag, und statt liebevollem Empfang findest du… das Chaos. Dreckige Socken auf dem Fußboden, die Spülmaschine voll, das Kind zockt, obwohl noch Hausaufgaben zu machen sind – und dein Partner sitzt entspannt auf dem Sofa. Zack – da ist sie, die Wut. Die Worte sprudeln nur so raus: „Du könntest ja auch mal was machen!“ Und was kommt zurück? „Ja, aber du hast doch auch…!“
Statt Harmonie und Feierabendfreude also wieder ein unnötiger Streit über Geschirr, Erziehungsstile oder wer die Wäsche zuletzt gemacht hat.
Beziehungen – ach ja. Anfangs noch voller Herzchen, Schmetterlinge und „Leg du zuerst auf“–Romantik. Doch irgendwann zieht der Alltag ein. Zwischen Brotdosen, Terminkalendern, Wäschebergen und Kindergeburtstagen wird aus dem Liebespaar oft ein Orga-Team. Und wenn dann noch Stress, Müdigkeit oder Missverständnisse dazukommen, verwandelt sich der Austausch in einen rhetorischen Schlagabtausch.
„Du hast doch gestern schon …!“
„Ja, aber du hast auch nicht …!“
„Und immer machst du …!“
„Aha. Ich?! Und was ist mit dir?!“
Willkommen im Paarkrieg. Leider kein lustiges Spiel – und garantiert kein Gewinn.
Warum wir uns so oft ineinander verkeilen
Wir alle wollen gesehen und verstanden werden. Wenn wir uns überfordert, verletzt oder allein gelassen fühlen, neigen wir dazu, uns zu verteidigen – oft, indem wir angreifen. Wir reden dann nicht, um zu verstehen, sondern um Recht zu behalten.
Und das Tragische: Der Mensch, mit dem wir eigentlich unser Leben teilen wollen, wird plötzlich zum Gegenspieler.
Besonders explosiv: Das Thema Kinder
In kaum einem Bereich krachen Paare so oft aneinander wie bei der Erziehung. Wer darf was? Wer ist zu streng, wer zu lasch? Wer übernimmt mehr? Und wieso ist man schon wieder der Elternteil, der das Kind zum Training fahren soll?
Kein Wunder, dass man sich im Hamsterrad verliert. Und dabei völlig übersieht: Die Kinder werden älter. Sie ziehen aus. Und dann?
Dann sitzt man sich plötzlich gegenüber – mit viel Zeit, aber vielleicht wenig Verbindung. Und fragt sich: Wer war noch gleich dieser Mensch da am Frühstückstisch?
Wie finden wir da wieder raus?
Die gute Nachricht: Es geht. Aber nicht, indem man immer wieder aufrechnet. Sondern indem man gemeinsam hinschaut – und umdenkt.
1. Hören wir auf mit dem „Du hast …!“
Besser: Sagen, wie wir uns fühlen. „Ich fühle mich überfordert, wenn ich das Gefühl habe, alles allein zu stemmen.“ Das macht verletzlicher – aber auch verbindender.
2. Atmen. Erstmal. Dann sprechen.
Klingt banal? Ist es auch. Und superwirksam. Tief durchatmen verhindert, dass man impulsiv zurückschießt. Manchmal reicht es, 10 Sekunden zu warten – und der Ton ist ein anderer.
3. Perspektivwechsel einbauen
Was würde dein Partner/deine Partnerin wohl sagen, wenn du nicht im Recht sein wolltest – sondern wirklich verstehen wolltest, was bei ihm/ihr los ist?
4. Kleine Rituale schaffen
Nicht erst nach dem Auszug der Kinder wieder Dates einführen! Ob Spaziergang, Kaffee am Sonntag oder 10 Minuten am Abend nur für euch zwei – Nähe muss gepflegt werden. Ja, selbst mit müden Augenringen und einem Kind auf dem Arm.
5. Der Spiegel tut manchmal weh – hilft aber
Wir alle haben unseren Anteil. Auch wenn’s weh tut. Fragen wie:
„Was braucht mein Partner gerade wirklich?“
„Was trage ich dazu bei, dass wir uns im Kreis drehen?“
können Wunder wirken – vorausgesetzt, wir wollen ehrlich hinsehen.
Fazit: Eine Beziehung ist kein Wettrennen, wer mehr recht hat. Sondern ein Tanz – mal führt einer, mal der andere, aber nur gemeinsam bleibt man im Takt. Und ja, manchmal treten wir uns auf die Füße. Aber mit ein bisschen Humor, Offenheit und dem Mut zur Selbstreflexion wird aus dem Tanz kein Drama – sondern wieder ein Duett.
Herzlichst
Jana

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