Kennst du das auch? Du stehst vor dem Spiegel, hast dich gerade richtig schick gemacht und denkst: „Yes, das sitzt!“ – und dann kommt jemand mit einem halbgaren Kommentar wie „Das Kleid ist schön, aber die Farbe hätte ich nicht genommen…“ Zack – schon ist die gute Laune dahin, und du fragst dich ernsthaft, ob du aussiehst wie ein wandelnder Vorhang.
Komisch, oder?
Die meisten Menschen halten sich insgeheim für ziemlich kompetent. Manche sogar für kompetenter als der Rest der Welt (pssst… wir alle haben so einen kleinen „Besserwisser“ in uns). Aber kaum äußert jemand eine andere Meinung, schon geraten wir ins Wanken. Plötzlich scheint das Urteil von außen wichtiger zu sein als unsere eigene innere Stimme.
Warum ist das so?
Psychologisch gesehen hat das viel mit unserer Ur-Programmierung zu tun. Früher war es überlebenswichtig, Teil der Gruppe zu sein. Wer ausgestoßen wurde, hatte schlechte Karten. Heute bedeutet „nicht dazugehören“ zwar nicht mehr, dass uns ein Säbelzahntiger frisst, aber unser Gehirn denkt immer noch so. Wir wollen gemocht werden, wir wollen Bestätigung. Also hängen wir unsere Stimmung manchmal an die Meinung anderer – selbst wenn wir rational wissen, dass die vielleicht gar nicht so viel Ahnung haben.
Nehmen wir mal ein Beispiel: Im Job. Du bist stolz auf dein Projekt, alles lief super. Dann kommt ein Kollege und meint: „Also ich hätte das ja ganz anders gemacht.“ – Und schwupps, zweifelst du. Obwohl dieser Kollege vielleicht noch nie in seinem Leben Verantwortung für genau dieses Thema getragen hat. Aber: Seine Meinung hat in dem Moment mehr Gewicht als deine Erfahrung. Verrückt, oder?
Oder im privaten Bereich: Du erzählst begeistert, dass du dir ein neues Hobby gesucht hast. Statt Glückwünschen hörst du: „Meinst du wirklich, das passt zu dir?“ – Schon fängt das Gedankenkarussell an: „Stimmt das? Bin ich dafür zu alt/zu jung/zu irgendwas?“
Ich habe das selbst auch schon erlebt. Zum Beispiel, als ich mich beruflich neu orientiert habe, hieß es plötzlich: „Meinst du, das ist wirklich was für dich?“ oder umgekehrt: „Also da sehe ich dich total!“ Klingt nett, oder? Aber im Grunde sagt es nichts über meine Eignung – sondern nur etwas über die Fantasie und Vorstellungen der anderen.
Und jetzt mal ehrlich: Wer weiß denn besser, was gut für dich ist, als du selbst? Niemand. Genau!
Das heißt nicht, dass wir Ratschläge ignorieren sollten. Manchmal steckt ja wirklich etwas Hilfreiches drin. Aber: Wir dürfen lernen, wieder unserem inneren Kompass zu vertrauen. Eine Meinung ist genau das – eine Meinung. Kein Gesetz.
Und wenn dich das nächste Mal ein Kommentar von außen verunsichert, frag dich: Hat die Person wirklich die Kompetenz, das zu beurteilen? Oder spiegelt sie nur ihre eigenen Ängste, Werte und Unsicherheiten? Und ganz wichtig: Wie habe ich mich eigentlich vorher gefühlt?
Denn Fakt ist: Wer es schafft, seine eigene Meinung mindestens genauso ernst zu nehmen wie die von außen, der lebt leichter. Und freier. Und vor allem auch glücklicher.
Also, beim nächsten Mal, wenn jemand sagt: „Also ich hätte das ja anders gemacht…“ – lächle freundlich, denk dir „Ja, du vielleicht – aber ich bin ich“ und geh deinen Weg weiter.
Die gute Nachricht lautet nämlich: Wir können jederzeit umschalten. Frag dich bei wichtigen Entscheidungen nicht: „Was denken die anderen?“, sondern: „Macht mich das glücklich?“ Ein hilfreicher Gedanke: Stell dir dich mit deiner Entscheidung in zehn Jahren vor. Fühlst du dich damit gut? Wenn die Antwort ja lautet, dann lass dich nicht von den Zweifeln anderer verunsichern.
Was passiert, wenn wir uns selbst verlieren?
Wenn wir Entscheidungen nach den Erwartungen anderer treffen, verlieren wir irgendwann den Kontakt zu uns selbst. Wir leben nicht mehr unser eigenes Leben, sondern ein Drehbuch, das andere für uns schreiben.
Und das Absurde: Häufig sind es nicht mal die Menschen, die uns wichtig sind, deren Meinung wir so hoch gewichten. Manchmal sind es Leute, die wir gar nicht wirklich mögen – und trotzdem lassen wir zu, dass ihre Worte uns ins Wanken bringen.
Da fällt mir dieser Spruch ein, den du bestimmt schon mal gehört hast: „Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, mit Geld, das wir nicht haben, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen.“
So bitter wie wahr, oder? Wir richten uns so oft nach der Wirkung nach außen, statt auf unser Inneres zu hören. Dabei sollten wir uns fragen: Was bringt es, wenn andere denken „wow, das passt“ – aber wir selbst fühlen uns unglücklich und fremdbestimmt?
Also: Hör auf dich, auf dein Herz, auf dein Bauchgefühl. Denn du bist die einzige Person, die mit deinen Entscheidungen leben muss – und die einzige, die wirklich weiß, was zu dir passt. Alles andere? Nebengeräusche.
Und zum Schluss noch eine kleine Übung für den Alltag:
Wenn dich mal wieder eine fremde Meinung nervös macht, dann stell dir einfach diese drei Fragen:
1. Macht mich das glücklich – oder will ich hier nur Punkte im „Wer-hat-die-beste-Fassade“-Wettbewerb sammeln? Im Ernst: Spür in dich rein, ob es wirklich DEIN Wunsch ist.
2. Würde ich in zehn Jahren noch genauso entscheiden – oder schlage ich mir dann mit der Hand an die Stirn und denke „ach du meine Güte“? Im Ernst: Nur was sich langfristig stimmig anfühlt, ist es wert.
3. Mag ich die Person überhaupt, deren Meinung mich gerade so beschäftigt – oder wäre es mir eigentlich lieber, wenn sie beim nächsten Grillfest zufällig im Stau steht? Im Ernst: Warum sollten Menschen, die dir gar nicht nahestehen, über dein Leben bestimmen dürfen?
Denn am Ende gilt: Wer dich wirklich liebt und schätzt, will keine angepasste Version von dir sehen, sondern das echte Original.
Herzlichst,
Jana

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