Warum wir Menschen manchmal so herrlich kompliziert sind – und was wirklich dahintersteckt

Kennst du das auch? Du sitzt morgens mit deinem Kaffee da und denkst ganz entspannt: „Eigentlich könnte ich heute meine Mutter besuchen.“ Ein netter Gedanke. Freiwillig. Warm. Selbstbestimmt. Und dann klingelt das Telefon. „Kommst du heute bitte vorbei?“… und zack – ist die Lust weg. Nicht, weil du deine Mutter nicht magst. Nicht, weil du keine Zeit hast. Sondern weil aus „ich möchte“ plötzlich „ich soll“ geworden ist.

Willkommen in der faszinierenden, manchmal nervigen, aber zutiefst menschlichen Psyche. Wir Menschen ticken oft erstaunlich kompliziert – und gleichzeitig sehr logisch, wenn man genauer hinschaut.

Freiheit ist sexy – Vorgaben eher nicht

Wir reagieren extrem sensibel auf alles, was sich nach Fremdbestimmung anfühlt. Wir mögen Entscheidungen, aber bitte unsere eigenen. In dem Moment, in dem jemand anderes festlegt, wann, wie oder dass wir etwas tun sollen, meldet sich innerlich oft eine leise Stimme: „Nö.“ Nicht aus Trotz (okay… vielleicht manchmal auch ein bisschen). Sondern, weil unser Gehirn sehr empfindlich reagiert, wenn es um die eigene Freiheit geht.

Wir wollen das Gefühl haben: Ich entscheide. Ich wähle. Ich mache das aus freien Stücken. Sobald dieses Gefühl verloren geht, kann selbst etwas Schönes plötzlich… na ja… anstrengend werden.

Vergleiche sind menschlich – aber nicht zielführend

Ein anderes Beispiel (und ebenfalls wunderbar menschlich): Du startest einen neuen Job, bist zufrieden mit deinem Gehalt, fühlst dich wertgeschätzt. Bis zu dem Moment, in dem du erfährst, dass jemand mit ähnlichen Aufgaben mehr verdient. Plötzlich fühlt sich das eigene Gehalt nicht mehr gut an. Und das Spannende daran ist: Dein Gehalt hat sich nicht verändert. Deine Lebensumstände auch nicht. Nur der Vergleich ist neu.

Zufriedenheit ist eben kein fester Zustand – sie ist oft kontextabhängig. Wir vergleichen – automatisch, ständig, oft unbewusst. Das Problem ist nur: Vergleich verschiebt den Fokus weg von uns selbst – hin zu etwas, das wir nicht kontrollieren können. Und Vergleich ist der schnellste Weg, um sich selbst die eigene Zufriedenheit wieder zu nehmen.

Warum ticken wir so?

Unser Gehirn unterscheidet sehr genau zwischen: „Ich will“ und „Ich soll“. Auch wenn das Ergebnis objektiv dasselbe wäre. Sobald jemand anderes den Rahmen setzt, fühlt es sich an, als würde uns innerlich ein kleines Stück Freiheit genommen. Und dieses Gefühl löst Widerstand aus – oft ganz leise, manchmal aber auch sehr deutlich. Das ist kein Trotz. Das ist ein uraltes psychologisches Bedürfnis: Autonomie.

Problematisch wird es erst dann, wenn wir gar nicht mehr merken, warum wir plötzlich genervt, unzufrieden oder widerständig sind – und dieses Gefühl einfach nicht mehr weg geht.

Wir Menschen haben drei sehr starke innere Antreiber:

  • Das Bedürfnis nach Kontrolle
  • Das Bedürfnis nach Gerechtigkeit
  • Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit

Sobald einer dieser Punkte ins Wanken gerät, reagieren wir emotional: mit Rückzug, Ärger, Trotz oder mit innerem Widerstand. Unser System versucht damit, sich zu schützen.

Das wirklich Spannende: Wir merken oft gar nicht, was uns triggert. Wir sagen dann Dinge wie: „Ich hab einfach keine Lust.“ „Das nervt mich total.“ „Irgendwie fühlt sich das falsch an.“ Aber der eigentliche Auslöser liegt oft tiefer: fehlende Wahlfreiheit, ein Vergleich, den wir nicht steuern konnten oder das Gefühl, unfair behandelt zu werden,

Und genau da entsteht innerer Stress – obwohl im Außen vielleicht gar nichts Dramatisches passiert ist.

Viele dieser inneren Konflikte haben denselben Kern:

  • Wir wollen Freiheit, aber auch Anerkennung.
  • Wir wollen Zufriedenheit, aber vergleichen uns permanent
  • Wir wollen Sicherheit, aber auch Entwicklung

Und dann wundern wir uns, warum wir uns manchmal selbst widersprechen. Das ist kein Fehler. Das ist Menschsein.

Was hilft? (Ganz ohne Selbstoptimierungsdruck)

Der erste Schritt ist Selbsterkenntnis – nicht Selbstoptimierung. Manchmal reicht schon ein kurzer innerer Check: Will ich das gerade wirklich nicht? Oder will ich nur nicht müssen? Vergleiche ich mich gerade – und wenn ja, warum?

Diese Fragen lösen keine Probleme, aber sie schaffen Bewusstsein. Und Bewusstsein ist der erste Schritt raus aus dem inneren Knoten. Nicht, um anders zu werden. Sondern um sich selbst besser zu verstehen.

Mein Fazit: Wir Menschen sind widersprüchlich. Wir wollen Freiheit, Sicherheit, Anerkennung – und bitte alles gleichzeitig. Wir möchten selbst entscheiden, fair behandelt werden und vergleichen uns mit anderen, obwohl wir wissen, dass es uns nicht gut tut. Dabei vergessen wir, dass Vergleiche sinnlos sind, da jeder Mensch andere Wünsche, Ziele, Bedürfnisse und Voraussetzungen hat. Und wir merken oft erst sehr spät, warum uns etwas eigentlich gerade so triggert.

Vielleicht müssen wir gar nicht aufhören, kompliziert zu sein. Vielleicht dürfen wir einfach anfangen, uns selbst ein bisschen neugieriger zu betrachten. Denn wenn wir verstehen, warum wir so reagieren, müssen wir uns dafür nicht mehr verurteilen. Und das allein macht das Leben oft schon ein kleines Stück leichter 

Herzlichst,

Jana

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