Kennst du das auch? Du sitzt gemütlich zuhause auf der Couch. Vielleicht nur ganz kurz, vielleicht auch schon eine Weile. Und irgendwo in deinem Kopf ist er plötzlich da, dieser Gedanke: Du wolltest doch eigentlich noch… Noch dies. Noch das. Noch jenes. Jeder hat da seine eigenen „Dämonen“… Eigentlich wolltest du längst angefangen haben. Und trotzdem bleibst du sitzen. Nur noch fünf Minuten. Dann aber wirklich.
(Diese fünf Minuten… wir kennen sie alle – und plötzlich ist der Tag vorbei.)
Wir alle tun es – aber keiner gibt es zu: Prokrastination oder einfacher gesagt „Aufschieberitis“
Das Lustige daran ist ja: Wir alle tun es, wirklich alle. Aber irgendwie spricht kaum jemand darüber. Da heißt es dann eher: „Heute war echt viel los…“ oder „Ich hatte so viel um die Ohren…“. Und vielleicht stimmt das sogar.
Aber irgendwo dazwischen gibt es diesen einen Moment, in dem wir einfach sitzen bleiben und nicht anfangen. Und das Komische ist: So richtig gut fühlt es sich nicht an. Es ist nämlich kein echtes Ausruhen, kein bewusstes „Ich gönn mir jetzt eine Pause“. Es ist eher ein „Ich sollte eigentlich…“
Und dann kommt er schnell, dieser Gedanke: „Warum bin ich eigentlich so faul?“
Aber bist du das wirklich? Was, wenn es gar nichts mit Faulheit zu tun hat? Was, wenn dieses Sitzenbleiben mehr über uns erzählt, als wir auf den ersten Blick glauben? Denn während du da sitzt, passiert in dir ziemlich viel.
- Gedanken, die sich drehen.
- Ein leiser Druck.
- Dieses Gefühl, dass du längst hättest anfangen sollen.
Faul fühlt sich irgendwie anders an, oder?
Vielleicht ist es also gar nicht die Faulheit. Vielleicht ist es das, was auf dich wartet, sobald du aufstehst. Diese eine Aufgabe, die plötzlich größer wirkt, als sie ist, der Anspruch (meist der eigene), es richtig machen zu müssen. Oder dieses leise Gefühl: Was, wenn ich es nicht gut genug mache?
Und dann bleibst du noch einen Moment sitzen. Weil dort gerade nichts von dir verlangt oder bewertet wird. Dann wirkt die Couch plötzlich wie ein sicherer Ort. Hier können wir gar nichts falsch machen, wir dürfen einfach nur „sein“.
Je länger du aber sitzt, desto lauter wird dieses Gefühl. Und irgendwann geht es nicht mehr nur um die Aufgabe. Sondern auch um dich. Der nächste Gedanke drängt sich auf: Warum krieg ich das nicht hin? Fatal, denn diese Gedanken führen oft in eine Abwärtsspirale. Wir machen uns selbst Druck, indem wir versuchen uns selbst zu überreden, zu drängen, um uns dann innerlich selbst zu beschimpfen, weil wir es wieder nicht geschafft haben.
Aber warum bleiben wir eigentlich sitzen?
Wir bleiben nicht sitzen, weil wir faul sind. Sondern weil unser Gehirn versucht, uns vor unangenehmen Gefühlen zu schützen. Aufgaben, die mit Druck, Unsicherheit oder Überforderung verbunden sind, lösen inneren Widerstand aus. Und statt uns dem zu stellen, weichen wir unbewusst aus.
Überforderung zum Beispiel tarnt sich oft als „keine Lust“, Perfektionismus und hohe Erwartungen blockieren den Anfang und wir fangen oft lieber gar nicht erst an, aus Angst vor dem Scheitern. Wir könnten uns also eher fragen:
- Wovor drücke ich mich gerade wirklich?
- Was fühlt sich daran so schwer an?
- Was würde ich eigentlich gerade brauchen?
Manchmal ist die Antwort „Erstmal kurz durchatmen.“ und manchmal auch „Heute darf es ruhig mal liegen bleiben.“ Die ehrlichere Version lautet also eher:„Ich wusste gerade nicht, wie ich anfangen soll.“ oder „Es hat sich einfach zu viel angefühlt.“
Vielleicht geht es also gar nicht darum, disziplinierter zu sein. Vielleicht geht es darum, alles ein bisschen kleiner zu starten. Kein großer motivierter Sprung von der Couch, sondern ein erster kleiner Schritt. Ein Anfang. Ohne diesen ganzen Druck, sofort alles richtig machen und beenden zu müssen. Und vielleicht ist genau das der Moment, in dem wir anfangen können, ein bisschen freundlicher mit uns selbst zu sein. Wir sind nämlich gar nicht so faul, wie wir denken.
Herzlichst,
Jana
Wichtige Anmerkung:
„Prokrastination“ ist wie so viele psychologische Themen buchfüllend und hier (weil Blogartikel) nur angerissen. Es gibt viele Menschen, die darunter leiden und die teils, um sich nicht mit der eigentlichen Aufgabe zu beschäftigen (Papierkram ordnen, Steuererklärung machen o.ä.), lieber die ganze Wohnung auf Hochglanz polieren.
Ein erster Ansatz zur Hilfe lautet: Akzeptanz. Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen und das erstmal nur zu akzeptieren, nimmt gehörig Druck von dir selbst. Und vergiss bitte nie: Vergleiche dich nicht mit anderen Menschen, sondern nur mit einer früheren Version von dir, denn du bist einmalig.

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