„Wir müssen uns unbedingt mal wieder treffen!“ – Von nicht gehaltenen Versprechen und guter Absicht

Kennst du das auch? Du triffst zufällig jemanden aus der Vergangenheit. Vielleicht eine alte Kollegin, einen Bekannten vom Sport oder eine ehemalige Schulfreundin. Ihr bleibt kurz stehen, plaudert ein bisschen – und dann kommt er, dieser Satz:

„Wir müssen uns unbedingt mal wieder treffen!“

Du nickst, sagst „Ja, unbedingt!“ – und vielleicht meint ihr es in dem Moment sogar beide ehrlich. Und dann… passiert: nichts.

Keine Nachricht. Kein Kaffee-Date. Kein „Wie sieht’s bei dir nächste Woche aus?“ Einfach… Alltag. Und das schöne Versprechen, sich mal wiederzusehen, verschwindet wie ein Klebezettel in der Sofaritze des Lebens.

Zwischen guter Absicht und mentaler Überforderung

Ich gebe zu: Ich war früher auch so eine. Die Fraktion „Ich melde mich, versprochen!“ – und zack, wieder ein Punkt auf der inneren Liste vergessen. Nicht, weil mir die andere Person egal war. Sondern weil zwischen Einkaufsliste, Arbeitsmails und „Oh nein, schon wieder kein Klopapier!“ einfach nicht alles Platz im Kopf hat. Und ja, auch heute passiert mir das noch und ich arbeite an mir.

Die meisten dieser nicht gehaltenen Versprechen haben nichts mit Ablehnung zu tun. Oft sind sie ein Ausdruck spontaner Herzenswärme. Wir freuen uns wirklich, jemanden zu sehen – und schwupps, versprechen wir etwas, was wir im Chaos des Alltags nicht mehr nachverfolgen.

Und das Problem?

Der andere weiß das nicht. Die Person, der dieses Mini-Versprechen gemacht wurde – „Ich schick dir den Artikel auf jeden Fall!“ – wartet vielleicht. Fragt sich:

„Hab ich was falsch gemacht?“

„Bin ich ihr nicht wichtig genug?“

„Warum sagt man so etwas, wenn man’s eh nicht meint?“

Autsch. Willkommen im Club der stillen Enttäuschungen.

Warum wir das nicht persönlich nehmen sollten – und oft doch tun

Wir Menschen sind soziale Wesen – und kleine Verletzungen durch nicht eingehaltene Absprachen können tief gehen. Gerade wenn man sensibler ist oder ein Problem mit Ablehnung hat, kann ein versäumter Rückruf oder das „verschwundene“ WhatsApp-Versprechen mehr Triggern als man denkt.

Doch bevor wir innerlich in Detektivarbeit verfallen à la „Sie hat meine Story gesehen, aber nicht geantwortet!“, hilft es, sich klarzumachen:

Nicht hinter jedem nicht eingehaltenen Versprechen steckt eine Absicht.

Es ist manchmal einfach nur menschlich. Und chaotisch. Und unkoordiniert. Und ja – etwas verplant.

Was wir daraus lernen können (außer Terminkalender nutzen)

1. Versprich weniger – handle bewusster

Wenn du weißt, dass dein Kopf einem offenen Tab-Browser gleicht (gefühlt 72 Dinge gleichzeitig offen), dann sei ehrlich: Sag lieber „Ich würde mich wirklich freuen – lass uns schauen, ob wir was hinbekommen“ statt „Auf jeden Fall nächste Woche!“

Ehrlichkeit ist kein Mangel an Herzlichkeit – sondern ein Zeichen von Achtsamkeit.

2. Erwarte nicht zu viel und frag nach

Wenn dir ein Treffen oder eine Nachricht wirklich wichtig ist: frag ruhig nach. Eine einfache Nachricht wie: „Hey, dein Angebot neulich mit dem Kaffee – steht das noch?“ ist kein Aufdrängen, sondern Kommunikation.

Und wenn dann nichts kommt? Dann ist das vielleicht Antwort genug – und auch okay.

3. Nicht alles ist persönlich gemeint

Viele kleine Enttäuschungen entstehen, weil wir denken, alles dreht sich um uns. Tut es aber nicht.

Manche Menschen sagen etwas in dem Moment ehrlich – und vergessen es dann einfach wieder. Nicht aus bösem Willen. Sondern, weil sie Menschen sind. Wie du und ich.

4. Verzeihen – und besser machen

Wenn du selbst mal ein Versprechen vergessen hast: Kein Drama. Schreib der Person und sag ehrlich:

„Du, ich hab total verplant, dir den Link zu schicken. Sorry – hier ist er!“

Aufrichtigkeit ist so erfrischend wie kalte Cola an einem heißen Tag. Und sie öffnet Türen, wo sonst Frust droht.

Fazit: Zwischen Worten und Taten liegt ein Alltag

Nicht gehaltene Versprechen sind kein Zeichen von böser Absicht, sondern oft von zu vielen Tabs im Hirn und zu wenig Zeit.

Lasst uns wieder mehr sagen, was wir wirklich meinen. Und öfter mal handeln, statt nur zu reden. Oder – auch eine Idee – uns gegenseitig liebevoll erinnern, wenn etwas untergeht.

Denn ein ehrliches „Sorry, war nicht böse gemeint – ich hab’s wirklich nur vergessen“ ist immer noch besser als stilles Grübeln auf beiden Seiten.

Was ist dir zu diesem Thema schon passiert? Kennst du diese „Luft-Versprechen“? Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen!

Herzlichst,

Jana

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