Fehler? Ich? Niemals! – Warum wir so ungern Verantwortung übernehmen

Kennst du das auch? Da läuft etwas schief – beruflich oder privat – und zack, sofort beginnt das Spiel „Wer war’s?“. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand laut „Ich!“ ruft, ist übrigens verschwindend gering. Niemand fühlt sich verantwortlich und es beginnt die große Zaubershow: Schuld weghexen, weiterreichen, ablenken. Und am Ende war es vermutlich einfach der Hund vom Nachbarn.

Ich frage mich daher oft: Warum fällt es vielen Menschen so schwer, zu einem Fehler zu stehen?

Warum wir die Schuld lieber weiterschieben

Vielleicht fragst du dich: Was verrät es eigentlich über uns, wenn wir ständig mit dem Finger auf andere zeigen? Die Antwort: Eine ganze Menge. Schuldzuweisungen sind selten reine Boshaftigkeit – meist sind sie ein Schutzmechanismus. Wenn wir Fehler eingestehen, kratzt das an unserem Selbstwert. Also schieben wir lieber die Verantwortung ab, um das Bild, dass wir von uns haben (oder das andere von uns haben sollen), zu retten.

Fehler zuzugeben bedeutet für viele Menschen Schwäche. Und wer zeigt schon gern, dass er oder sie nicht perfekt ist? Wir haben Angst, unser Gesicht zu verlieren oder wir stecken so sehr in unserem Ego fest, dass wir es uns selbst nicht erlauben, Fehler zu machen. Teilweise haben wir schon als Kinder gelernt: Wer Fehler zugibt, bekommt Ärger. Wer ihn abwälzt, kommt vielleicht besser davon. Dieses Muster prägt sich tief ein.

Manche Menschen merken auch gar nicht, dass sie immer im Außen die Ursachen suchen. Ihnen fehlt die Fähigkeit oder Bereitschaft zur Selbstreflexion. Ein reifer Mensch kann sagen „Ja, da habe ich Mist gebaut.“ Wer das nicht kann, zeigt damit nur, dass er Konflikten lieber ausweicht und Verantwortung scheut.

Schuldzuweisungen können aber auch ein Versuch sein, Macht zu behalten. Wer den Finger auf andere richtet, lenkt ab und steht selbst (scheinbar) über der Situation.

Diese Verhaltensweise vergiftet jedoch langfristig das Miteinander. Denn selbst wenn man danach sagt: „Schwamm drüber“, bleibt doch oft ein kleiner Stachel hängen. Das Vertrauen leidet, egal ob im Job, in der Partnerschaft oder sonst wo.

Ich persönlich empfinde es als viel befreiender, wenn man einfach sagen kann: „Ja, das war mein Fehler.“ Punkt. Kein Drama. Kein ewiges Hin und Her. Tut kurz weh, klar. Aber ganz ehrlich: es spart eine Menge Energie. Diese ganzen Ausreden und Schuldzuweisungen kosten doch viel mehr Nerven, oder?

Wer von uns hat nicht schon mal etwas übersehen, verlegt oder schlichtweg vergessen? Das ist menschlich! Aber genau da liegt die Stärke: Nicht im Verstecken, sondern im Zugeben.

Und was tun, wenn andere die Schuld auf uns abladen?

Tja, das ist die andere Seite der Medaille. Ich kenne das gut – und ich wette, dir ist es auch schon passiert: Man selbst ist plötzlich „schuld“, obwohl man genau weiß, dass es nicht stimmt. Das kann frustrierend sein. Besonders, wenn man den Eindruck hat, der andere will sich einfach nur aus der Verantwortung ziehen.

Hier ein paar Strategien, die helfen können:

  • Atme erstmal tief durch. Spontan reagieren bringt selten etwas.
  • Bleib bei dir. Wenn jemand die Schuld bei dir ablädt, frag dich zuerst: „Stimmt das wirklich?“. Wenn nein – dann nimm den Ball gar nicht erst an. Stell dir einfach vor, jemand wirft dir eine heiße Kartoffel zu. Du darfst sie auch einfach fallen lassen.
  • Freundlich kontern. Statt dich in Diskussionen zu verstricken, hilft oft ein ruhiges „Ich habe das anders erlebt.“. Kurz, sachlich, ohne Drama. Damit bleibst du souverän und gibst den Ball elegant zurück.
  • Humor einschalten. Manchmal reicht ein trockener Kommentar wie: „Ach, schön, dass das Universum wieder schuld ist. Das arme Ding muss ganz schön leiden.“ Humor nimmt die Schärfe aus der Situation und zeigt: du lässt dich nicht klein machen.
  • Grenzen setzen. Wenn es immer wieder passiert, darfst du auch klar sagen: „Ich möchte nicht, dass du deine Fehler auf mich schiebst.“ Und wenn es nicht besser wird: Abstand halten. Dein Seelenfrieden ist wichtiger als das Ego anderer.

Mein Fazit: Fehler gehören zum Leben. Wir alle machen sie. Aber wir wachsen daran nur, wenn wir dazu stehen. Schuldzuweisungen hingegen schaffen nur Misstrauen und Frust – und machen die Welt kein Stück besser.

Also: Lasst uns öfter mal mutig sagen: „Ja, das war ich.“ Denn genau das macht uns stark, authentisch und glaubwürdig. Denn Vertrauen wächst nicht, weil jemand nie etwas falsch macht – sondern weil man weiß: dieser Mensch steht zu sich und zu seinem Handeln.

Wer übrigens ständig mit dem Finger auf andere zeigt, zeigt gleichzeitig drei Finger auf sich selbst. Lass das mal wirken ;-)

Herzlichst, Jana

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