Dieses merkwürdige Gefühl zwischen den Jahren

Kennst du das auch? Dieses merkwürdige Gefühl zwischen den Jahren?

Kurz vor Jahresende passiert etwas Seltsames. Plötzlich scheint das ganze Leben auf dem Prüfstand zu stehen. Man sitzt vielleicht mit einem Stück Plätzchen in der Hand auf dem Sofa, der Bauch ist noch schwer vom Weihnachtsessen – und im Kopf geht es los: „Ab dem 1.1. esse ich gesünder.“ „Ich muss dringend mehr Sport machen.“ „Ich bin viel zu viel am Handy.“ „Ich sollte mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen.“ Und während wir diese Gedanken denken, kritisieren wir uns innerlich schon dafür, dass wir genau das alles noch nicht tun.

Willkommen in der Zeit der guten Vorsätze – und der schlechten Gefühle.

Warum passiert das jedes Jahr aufs Neue? Zum Jahresende kommt vieles zusammen: Die Feiertage sind emotional aufgeladen, Erwartungen prallen auf Realität und wir sind einfach müde vom Jahr. Und gleichzeitig wird uns bewusst: Schon wieder ist ein Jahr vorbei.

Vielleicht kennst du auch das: Man hat sich so viel Mühe gegeben mit den Vorbereitungen zu und an Weihnachten. Für die Kinder, für die Familie und auch ein bisschen für sich selbst. Und dann sind die Kinder nach dem Auspacken eher mäßig dankbar, der Partner hilft weniger als erhofft – und statt Frieden macht sich leise Enttäuschung breit.

Nicht, weil jemand anderes schuld ist. Sondern weil unsere eigenen Erwartungen einfach höher waren als das, was die Realität geliefert hat.

Der innere Kritiker hat Hochsaison

Gerade jetzt meldet sich oft diese Stimme: „Du hättest dieses Jahr mehr schaffen müssen.“ „Andere bekommen ihr Leben besser hin.“ „Nächstes Jahr musst du dich mehr anstrengen.“

Und zack – statt innezuhalten und dankbar zu sein, fangen wir an, an uns herumzudoktern, als wären wir ein Auto mit Mängelliste. Dabei übersehen wir etwas ganz Entscheidendes: Wir sind kein unfertiges Jahresprojekt. Wir sind Menschen.

Warum muss Veränderung eigentlich immer am 1.1. beginnen?

Mal ehrlich: Was macht den 1. Januar besser geeignet als den 28. Dezember oder ein beliebiges anderes Datum? Nichts. Veränderung braucht keinen Kalenderwechsel, kein Feuerwerk, keinen perfekten Neustart. Wenn du heute merkst, dass dir dein Körper signalisieren möchte: „Ein bisschen leichter wäre schön“ – dann darfst du heute beginnen. Wenn du spürst, dass du weniger am Handy sein willst – warum nicht direkt nach den Weihnachtsfeiertagen? Warum warten, bis ein Datum es „erlaubt“? Der Druck, alles auf den 1.1. zu legen, macht Veränderung oft schwerer – nicht leichter.

Frieden schließen statt Selbstoptimierung

Vielleicht geht es zum Jahresende gar nicht darum, alles neu zu machen. Sondern darum, Frieden mit sich zu schließen. Mit dem, was war, was nicht geklappt hat, was du trotzdem gewuppt hast. Nicht jedes Jahr ist dafür da, um „große Ziele“ zu erreichen. Manche Jahre sind einfach dazu da, durchzukommen, zu lernen, zu überleben, zu wachsen. Und das zählt genauso.

Was ist wirklich wichtig?

Die Zeit „zwischen den Jahren“ lädt uns ein, ehrlicher hinzuschauen: Was hat mir wirklich gutgetan? Wo habe ich mich selbst und meine Wünsche übergangen? Welche Erwartungen an mich selbst waren vielleicht zu hoch? Und was möchte ich nicht besser, sondern richtig machen?

Vielleicht ist das wichtigste Ziel fürs neue Jahr nicht: mehr leisten, sondern:  milder mit dir selbst sein.

Mein persönlicher Gedanke dazu

Ich kenne diese Wehmut zum Jahresende gut. Dieses Gefühl von: „Schon wieder ein Jahr vorbei – und manches ist immer noch offen.“ Aber ich habe gelernt: Nicht alles, was offen bleibt, ist ein Versagen.

Manches braucht einfach mehr Zeit und für manches gibt es einfach keine Lösung.

Und vielleicht ist das größte Geschenk zum Jahreswechsel nicht ein neuer Vorsatz – sondern ein bisschen mehr Mitgefühl für die Person, die du bist. Du musst nicht perfekt ins neue Jahr starten. Du darfst auch einfach ankommen. Und vielleicht reicht das fürs Erste vollkommen aus.

In diesem Sinne: Ich wünsche dir, dass du das alte Jahr in Frieden mit dir selbst abschließen kannst – ohne Abrechnung, ohne Druck. Und dass das neue Jahr leise, freundlich und möglichst stressfrei bei dir anklopft.

Herzlichst,

Jana

2 Antworten zu „Dieses merkwürdige Gefühl zwischen den Jahren“

  1. Vielen Dank für Dein Feedback. Es ist schön zu hören, dass es „da draußen“ Menschen gibt, denen meine Beiträge gefallen und die mich ermuntern weiter zu machen. Herzlichst, Jana

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  2. Avatar von optimisticchaos1ee58567ce
    optimisticchaos1ee58567ce

    Hi Jana
    Dein Beitrag spricht mir aus dem Herzen. Genauso fühle ich mich jedes Jahr auch.
    Danke für deine Gedanken und mach bitte weiter so.

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