(und was das wirklich mit uns zu tun hat)
Kennst du das auch? Du hast plötzlich Zeit, ein Termin wurde kurzfristig abgesagt, die Familie ist unterwegs, du bist allein. Niemand wartet auf dich. Du könntest die Ruhe genießen, einfach mal abschalten, deinen Gedanken freien Lauf lassen. Stattdessen greifst du automatisch zum Handy, schaltest den Fernseher ein, schreibst jemandem oder planst irgendetwas – Hauptsache, du bist nicht allein. Nicht einsam, nur eben nicht allein.
Alleinsein fühlt sich für viele Menschen wie ein Mangel an. In unserer Gesellschaft gilt Alleinsein oft als etwas, das man vermeiden sollte. Allein essen? Allein spazieren gehen? Allein im Café sitzen? Schnell kommt da der Gedanke: „Mit der/dem stimmt doch was nicht.“ Dabei sagt Alleinsein erstmal nur eins: Gerade ist niemand da. Mehr nicht. Und trotzdem löst es bei vielen Unruhe aus.
Allein sein ist nicht dasselbe wie einsam sein
Das wird oft verwechselt. Man kann:
- allein sein und sich verbunden fühlen
- unter Menschen sein und sich innerlich leer fühlen
Einsamkeit entsteht nicht durch fehlende Menschen – sondern durch fehlende Verbindung. Oft zu sich selbst. Und genau da wird es spannend. Was passiert denn, wenn es still wird? Wenn niemand da ist, der ablenkt, zuhört, bestätigt oder beschäftigt? Dann bleibt genau das übrig: Wir selbst. Mit unseren Gedanken, Zweifeln, Gefühlen und unserer inneren Stimme. Und die ist nicht immer freundlich. Viele halten diese Begegnung mit sich selbst nur schwer aus, weil sie es nie gelernt haben.
Manche Menschen sind selten allein, aber oft erschöpft. Nicht, weil sie so viel tun – sondern weil sie ständig vermeiden. Sie vermeiden, zur Ruhe zu kommen, zu fühlen, sich selbst zuzuhören. Beschäftigt sein wirkt dann wie ein Beruhigungsmittel. Kurzfristig hilfreich, langfristig allerdings anstrengend.
Beziehungen als Lückenfüller (ja, das passiert)
Nicht jede Beziehung entsteht und bleibt aus echter Nähe. Manche entstehen aus Angst vor Leere. Lieber irgendwer als niemand. Lieber eine Beziehung, die nicht gut tut als allein mit sich selbst zu sein.
Das ist kein Vorwurf. Es ist einfach nur menschlich. Und es erklärt, warum manche Menschen von Beziehung zu Beziehung springen – und sich trotzdem nie wirklich angekommen fühlen.
Früher war man öfter wirklich allein. Heute ist man höchstens: offline, nicht erreichbar oder unbeantwortet. Das Handy sorgt dafür, dass Stille sofort gefüllt wird, jeder Moment Ablenkung bietet und Alleinsein kaum noch geübt wird. Und was man nicht übt, fühlt sich fremd an. Wie ein Muskel, den man nie benutzt hat.
Ein kleines Gedankenexperiment
Stell dir vor: Du legst dein Handy mal beiseite, stellst es sogar komplett aus. Keine Musik. Kein Gespräch. Kein Podcast. Nur du – für eine Stunde. Was taucht zuerst auf? Ruhe, Unruhe? Gedanken, Widerstand? Alles davon ist erlaubt. Und alles davon sagt etwas über dich aus.
Alleinsein ist keine Schwäche – es ist eine Fähigkeit. Allein sein zu können bedeutet nicht, dass man niemanden braucht. Es bedeutet: sich selbst aushalten zu können, sich selbst zuhören zu können und nicht ständig vor sich selbst davonlaufen zu müssen.
Menschen, die gut allein sein können, gehen oft gesündere Beziehungen ein. Nicht aus Bedürftigkeit, sondern aus eigener Wahl. Wer mit sich selbst allein sein kann ist insgesamt zufriedener, glücklicher und sieht Langeweile als Inspiration.
Eine kleine Wahrheit mit Augenzwinkern: Wenn du dich selbst nicht gern in deiner Gesellschaft hast – warum sollten andere das dauerhaft übernehmen?
Mein Fazit: Alleinsein ist kein Defizit. Es ist ein Raum. Ein Raum, in dem man sich selbst begegnet. Manchmal unbequem, manchmal heilsam und manchmal überraschend ruhig. Und vielleicht ist Alleinsein gar nicht das, wovor wir Angst haben müssen. Vielleicht ist es nur ungewohnt geworden. Probiere es gern aus. Was hast du zu verlieren?
Herzlichst,
Jana

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