Warum wir die Hoffnung nicht verlieren sollten

Kennst du das auch? Manchmal fühlt es sich an, als wäre die Welt aus dem Gleichgewicht geraten. Man schaltet die Nachrichten ein oder öffnet das Handy, liest die Zeitung und da ist wieder mal Krieg, Leid, Menschen, die einander verletzen. Plötzlich fühlt sich alles so schwer an, die Laune sinkt, die Schultern hängen.

Und irgendwo mittendrin entsteht dieser eine kleine Gedanke: Was ist eigentlich los mit uns bzw. der Menschheit?

Diesen Gedanken haben zur Zeit viele Menschen (nicht nur wegen der steigenden Spritpreise) und das hat auch damit zu tun, wie wir die Welt wahrnehmen. Unser Blick bleibt leicht an dem hängen, was schwierig ist, was uns berührt, verunsichert, schockiert oder nachdenklich macht.

Es ist ja nicht so, dass wir nichts Gutes sehen wollen. Aber das Schlechte ist oft lauter, präsenter, drängender. Es zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich, lässt uns innehalten und manchmal auch ein kleines Stück den Glauben an das Gute generell verlieren.

In der Psychologie gibt es dafür einen Begriff: den Negativitätsbias. Er beschreibt, das belastende Eindrücke tiefer wirken als leichte und sie bleiben länger haften, nehmen mehr Raum ein. Man geht sogar davon aus, dass mehrere positive Erfahrungen nötig sind, um eine einzelne negative ein Stück auszugleichen.

Wenn sich also viele schwere Eindrücke sammeln, verändert sich etwas in uns. Die Welt um uns herum fühlt sich anders an, hoffnungsloser. Dabei ist das nur ein kleiner Ausschnitt des Lebens. Aber vielleicht liegt genau da ein Teil des Problems. Wir haben einfach verlernt, das Gute zu sehen.

Ich habe vor Kurzem von einem Mann in Berlin gelesen. Er baut kleine Häuser für obdachlose Menschen. Nicht, weil er muss oder weil es von ihm erwartet wird. Sondern einfach, weil er helfen möchte. Und er ist damit nicht allein. Viele Menschen unterstützen ihn mit Geld, Zeit und Kraft. Solche Geschichten gibt es, viele sogar. Sie drängen sich nur nicht so sehr in den Vordergrund (sprich: sie sind nicht schlagzeilentauglich). Aber genau deshalb brauchen sie unseren bewussten Blick, unsere Aufmerksamkeit.

Und plötzlich wird etwas sichtbar, das in den großen Schlagzeilen oft keinen Platz findet: Dass es da Menschen gibt, die hinschauen, die handeln, die Gutes bewirken. Das Gute ist nämlich nicht verschwunden, es ist nur leiser. Es zeigt sich nicht immer in großen Gesten. Manchmal steckt es in kleinen Dingen (einem Gespräch, einem offenen Ohr, in jemandem, der hilft, ohne gleich gesehen werden zu wollen). Und vielleicht ist Hoffnung genau das: die bewusste Entscheidung, das Gute wahrzunehmen.

Aber wie macht man das eigentlich?

Vielleicht beginnst du ganz klein. Damit, einen Moment am Tag bewusst wahrzunehmen. Ohne Eile. Ohne Ablenkung. Ein kurzer Augenblick, in dem du innehältst und dich fragst: Was war heute gut?

Manche schreiben sich genau das auf. Ein, zwei kleine Dinge am Abend als eine Art Dankbarkeitstagebuch. Es muss nichts Großes sein, vielleicht nur eine nette Begegnung, ein Lächeln oder ein ruhiger Moment für dich. Mach dir bewusst: du tust das für dich, um das Gleichgewicht in dir wieder ein Stück herzustellen. Mit der Zeit entsteht dadurch ein Gegengewicht.

Probier doch gern auch mal, nicht alles ständig an dich heranzulassen, nicht jede Nachricht sofort zu lesen, nicht jede Schlagzeile mitzunehmen. Einfach um dich selbst ein Stück zu schützen. Denn wenn alles ständig laut ist, wird es schwer, das Leise noch zu hören.

Und vielleicht hilft genau das schon. Ein bisschen bewusster wahrzunehmen. Ein bisschen achtsamer durch den Tag zu gehen. Den Blick wieder zu öffnen, für das, was da ist – aber leicht übersehen wird. Damit wir das Gleichgewicht wieder spüren. Zwischen dem, was uns Sorgen macht und dem, was uns trägt. Und vielleicht entsteht genau daraus Hoffnung.

Was war also heute dein kleiner positiver Moment?

Herzlichst,

Jana

3 Antworten zu „Warum wir die Hoffnung nicht verlieren sollten“

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  2. Liebe Anja,

    schön, wieder von dir zu lesen und danke von Herzen für deinen so offenen und ehrlichen Kommentar.
    Man spürt beim Lesen richtig, wie viel dir dieses Thema bedeutet und wie viel eigene Erfahrung darin steckt. Gerade das macht deine Worte so berührend.

    Ich finde es unglaublich schön, dass du mit deinem Blog genau das Gleiche in die Welt tragen möchtest: den Blick auf das Gute, auf die kleinen und großen schönen Momente.
    Und was du über deine Trennung schreibst, kann jeder von uns gut nachvollziehen. Solche Phasen verändern den Blick auf vieles – und es braucht Zeit, sich da wieder neu auszurichten. Umso schöner, dass du diesen Weg für dich gehst und dir selbst immer wieder bewusst machst, was trotzdem da ist.

    Dein Gedanke zur Achtsamkeit hat mich auch sehr angesprochen. Dieses „sich erlauben, mal nicht erreichbar zu sein“ traut sich ja heutzutage fast niemand mehr (ich sag nur: FOMO = Fear of Missing Out = die Angst etwas zu verpassen) – dabei würde das bei uns allen das Leben ein wenig stressfreier machen.

    Danke dir fürs Teilen deiner Gedanken und auch deiner Geschichte.

    Liebe Grüße

    Jana

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  3. Liebe Jana,

    danke für diesen inspirierenden und positiven Beitrag :-) Ich gebe Dir in jedem Deiner geschriebenen Worte recht und fühle es.

    Der Grund warum ich meinen Blog ins Leben gerufen habe war, um auf all das Schöne aufmerksam zu machen, was es gibt. Um schöne Geschichten und Momente zu teilen. Um andere Menschen zu lächeln zu bringen- sei es mit Zitaten, Bildern, Guten Nachrichten, eigenen Erfahrungen oder auch mal ungefilterten Gedanken :-)

    Ich weiß selbst wie es ist, wenn man mal den Glauben/ die Hoffnung verliert. Vor allem nach meiner Trennung im vergangenen Jahr hatte ich meine Hoffnung/ meinen Glauben etwas verloren, obwohl ich tief in mir immer wusste, dass es trotz der Trennung viel schönes in meinem Leben gibt. Ich musste nur erst wieder lernen genau da hinzusehen. Das fällt mir sogar heute, 7 Monate nach der Trennung manchmal noch schwer.

    Aber ja, es gibt so viel schönes auf der Welt. So viel Positives. Leider wird darüber viel zu wenig berichtet. Und auch wir selbst sehen in unserem oft hektischen und stressigen Alltag die schönen Dinge, die uns umgeben.

    Ich glaube, wir alle sollten wieder deutlich achtsamer und bewusster durch das Leben gehen. Einfach mal in uns Ruhen und uns eine Pause gönnen. Uns erlauben mal nicht erreichbar zu sein, um die schönen Seiten des Lebens zu genießen und vielleicht auch erstmal kennenzulernen :-)

    Anja

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